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Plädoyer

für eine neue Sicht des Älterwerdens

Jahrringe

Autor: Andreas Giger

 

 


Und Ihre Jahrringe?

Wie stehen Sie zu Ihrem Alter? Schaffen Sie es, Ihr eigenen "Jahrringe" zu respektieren? Vielleicht sogar zu schätzen?

Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!

Alpstein-Massiv, vom Hohen Kasten aus gesehen.

Foto © TonnyB.

»Frei steht er da, gelassen und souverän ruht er in sich und schaut seit Menschengedenken unerschütterlich hinaus ins weite Land, mein Lieblingsbaum. Wie lange er das schon tut, weiß niemand. Erst eines hoffentlich noch fernen Tages, wenn auch seine Zeit gekommen ist, wird man die Jahrringe zählen und so sein genaues Alter ermitteln können.

Jahrringe bei Bäumen finden wir als Spuren der Zeit faszinierend, doch wenn wir sie an uns selbst als Alterserscheinung in Form von Speckröllchen entdecken, finden wir das weniger komisch. Wie kann es zu einer solchen Spaltung der Betrachtungsweise kommen? Und lässt sich diese Spaltung sogar überbrücken?

Falten werden sexy!

Es mag unter jenem Lieblingsbaum gewesen sein, wo mir der Slogan einfiel: Falten werden sexy! Das war und ist eine kühne Behauptung, denn noch gelten Falten als das pure Gegenteil von sexueller Anziehungskraft und werden deshalb gefürchtet. Nur straffe und glatte Haut gilt als attraktiv, weshalb halbe Vermögen dafür ausgegeben werden, sich diesen jugendlichen Zustand bis ins möglichst hohe Alter zu erhalten.

Dabei waren Falten im übertragenen Sinne von Interesse und Aufmerksamkeit, von Respekt und Zuneigung, schon mal sexy. Das war in jenen Zeiten, als nur wenige Menschen alt wurden und sich nicht alles so schnell veränderte wie heute, so dass das Erfahrungswissen der wenigen Alten für die Gemeinschaft von unermesslichem Wert war. Entsprechend hohe Wertschätzung genossen deshalb Falten als Symbol für Erfahrung und allenfalls gar für ein Stück Weisheit.

Was einmal war, kann wieder werden, genau so, wie Speckpolster in manchen Kulturen und zu manchen Zeiten als ausgesprochen attraktiv galten und gelten. Dass Falten (wieder) sexy werden, liegt also durchaus im Bereich der Möglichkeiten. Warum aber lösen Falten jetzt die heftigen negativen Reaktionen aus, die einer ganzen Industrie Nahrung geben?

Falten bedeuten Alter, und Alter ist eine Last. So haben wir es gelernt, bis hinein in die Bilder unserer Sprache: Jemand ist „gebückt von der Last des Alters“, und ein Baum kann sogar „unter der Last seines Alters zusammenkrachen“. Dabei gilt: Je höher das Alter, desto schwerer seine Last. Niemand wird gerne an solch düstere Zukunftsaussichten erinnert, und Falten tun nun mal eben dieses.

Alle, die in ihrem Leben schon öfter umgezogen sind, wissen, dass sich zwar die Last jener Dinge, die wir mitschleppen, ohne großes eigenes Zutun immer wieder geschwind vermehrt, dass sie aber durch gelegentliches energisches Ausmisten jeweils auch schnell wieder auf ein erträgliches Maß reduziert werden kann. Ganz abgesehen davon, dass wir jene Dinge, die uns im Laufe eines langen Lebens lieb und teuer geworden sind, ohnehin nicht als Last empfinden.

Das Alter ist also keineswegs automatisch eine Last, belastend ist nur die Vorstellung, es sei so. Diese Einsicht eröffnet uns die Möglichkeit, Falten ohne die Belastung durch einen Rattenschwanz von negativen Bewertungen zu sehen. Auch dafür bietet sich der Blick auf die Natur an, diesmal auf die äußere Hülle unseres Planeten.

Täler und Schluchten sind die Falten von Mutter Erde

Auch bei den Landschaftsformen gilt die Relativität von Schönheitsbegriffen: Die einen mögen am liebsten unermesslich weite Ebenen, andere ziehen die Schroffheit der Berge vor. Meine Vorliebe gilt der Hügellandschaft, in der zu leben ich das Glück habe. Ursprünglich handelte es sich dabei um eine Hochebene aus dem Sedimentmaterial eines vor langer Zeit hier sich ausdehnenden Meeres. Mit der Zeit haben die Kräfte der Erosion daraus eine eher chaotisch anmutende Mischung aus Hügeln, Rippen und tief eingeschnittenen Schluchten gemacht. Diese Landschaft ähnelt verblüffend der Vergrößerung der menschlichen Haut, und so liegt der Schluss nahe: Diese Täler und Schluchten sind die Falten von Mutter Erde.

Um diese Falten zu bilden und eine ursprünglich langweilige Ebene in ein spannendes Auf und Ab zu verwandeln, hat die Geologie neben Wasser, Eis und der Schwerkraft vor allem eines gebraucht: viel Zeit. Für uns Menschen unvorstellbare Zeiträume sind nötig, um die Falten von Mutter Erde zu gestalten. Doch manchmal, wenn man eine winzige Senke sieht, kann man erahnen, dass in vielen Tausenden von Jahren sich auch diese in eine steile Schlucht verwandelt haben wird.

Wir Menschen leben in anderen Zeitmaßstäben, doch das Prinzip bleibt sich gleich: Falten sind, jenseits aller ästhetischen Wertungen, vor allem eines: ein untrügliches Anzeichen dafür, dass die Zeit vergeht. Diese Tatsache ist an und für sich weder gut noch schlecht, wie wir sie bewerten, liegt ausschließlich in den Augen des Betrachters oder der Betrachterin. Es steht uns frei, die verfließende Zeit vor allem als Mahnung an das unvermeidliche Ende zu interpretieren, wobei dann das Risiko besteht, dass die Tatsache der verstreichenden Zeit Angst und Panik auslöst.

Der Blick auf meinen Lieblingsbaum eröffnet eine andere Perspektive: Der Zuwachs an Jahrringen kann wachsenden Reichtum bedeuten, etwa an Würde. Uralte Bäume erinnern uns deshalb gerne an ein fast verloren gegangenes Wort – altehrwürdig. Es spricht nichts dagegen, dieses Gefühl, wonach Alter eine Würde haben kann, die zur Verehrung auffordert, auch auf unser eigenes älter Werden zu übertragen.

 

__________________

 

Auszug aus: Andreas Giger: Reife. BOD. 2006. ISBN 3-8334-5075-4

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